10/15/2009

Ich hoffe, ihr habt ein bisschen Zeit mitgebracht...

Okay, Kinners, ich bin fix und alle. Und, nein, ich habe mich gestern abend nicht vollaufen lassen und hab jetzt nen Kater. Tatsächlich habe ich heute sehr brav den ganzen Tag an meiner Hausarbeit für Literatur (Berlin, nicht NOLA) gearbeitet - und bin immer noch nicht fertig. Dafür bin ich jetzt an einem Punkt, wo es richtig interessant wird. Die Hoffnung ist, dass ich auch auszudrücken vermag, was so interessant ist und warum. Aber genug Kryptik... und für ein paar Stunden auch genug Literaturhausarbeit, ich brauch ne Pause...

Also dachte ich, ich erzähl euch ein bisschen von gestern. Gestern hatten wir nämlich in meinem Lieblingskurs (das ist "Literary New Orleans" und da könnt ihr jeden fragen, denn ich rede eigentlich ständig über diesen Kurs) Besuch von dem Autor, den wir grad lesen (na, so ein Zufall, nein, eigentlich nicht, denn er war ein Nachbar unseres Profs, back in the days). Dan Baum, und er hat ein Buch geschrieben über New Orleans (Nine Lives - Death and Life in New Orleans). Das Buch liest sich sehr gut und wer so ein bisschen Einblick ins Leben in New Orleans haben will, der sollte das lesen, denn es ist über Menschen, die hier leben.

Dan Baum ist nicht aus NOLA, aber er wurde von derNY Times hierher geschickt, um über Katrina zu berichten (so wie jeder Freelance-Writer 2005) und er hat dann über Monate einen Blog geschrieben (hmmm, an wen erinnert mich das jetzt? *g*). Naja, er hat dann rausgefunden, dass Katrina eigentlich nicht das Interessante an NO ist, sondern, dass Norlins schon vorher ziemlich interessant war. Also hat er angefangen, Leute zu interviewen und die haben ihm dann ihr Leben erzählt... Baum wurde während unserer Session mit ihm gefragt, woran er erkannt habe, dass Norlins so anders ist und er hat geantwortet, dass es anders sei, weil die Leute hier auf der porch säßen und Bier tränken... hmmm... er meinte, dass man nirgendwo in den USA einfach auf einer Porch säße und sich unterhielte, und schon gar nicht, wenn das Haus, das zur Porch gehörte hinter einem völlig verwüstet wäre... ich denke, dass er da schon recht hat. Ich fand es so witzig, dass wir beide im Grunde die selbe Erfahrung gemacht haben - sitting on the porch drinking coke or beer or whatever... Baum hat das als etwas ursprünglich neworleansian angesehen, während meine Vermutung war, dass es etwas aus dem Süden sei...vielleicht haben sich die Zeiten geändert, vielleicht ist NOLA wirklich der einzige Ort, wo man das jetzt noch macht. Auf jeden Fall hat er dann erzählt, wie die Stadtplaner in NO nach Katrina gesagt haben, dass sie NO wieder aufbauen wollen, nur größer und besser, aber, dass die New Orleanians gesagt haben, dass das gar nicht in die Tüte kommt, dass sie ihr New Orleans behalten wollten und nicht Opfer des allgemeinen amerikanischen Kapitalismus werden wollten... wow... die Leute hier, wissen wirklich, was sie wollen und was sie nicht wollen und ich bin froh, dass sie nicht wie jede andere amerikanische Stadt werden wollten... dann hätte ich nicht gemütlich auf der Front Porch sitzen können mit meiner Sprite... ja, gute Sache das.

Okay, das war also Mittwoch-Nachmittag. Dann kam irgendwann auch der Abend und ich in meinem neuen Hemd also los zur Uni, weil wir von dort mit dem Bus zur Preservation Hall wollten (nach einem Zwischenstop mit was zu Essen). Der erste "Schock" kam dann, als der Bus kam: gelber Schulbus. Ja, liebe Leute, das Ding aus der Simpson-Vorschau, dem zweiten Jeepers Creepers-Film und But I'm a Cheerleader in seiner ganzen scheußlich-gelben Pracht und dem Aufdruck School Bus an der Seite. Mit dem Schulbus durch NO... das war wirklich ein Erlebnis. Natürlich war die Klimaanlage wieder zu hoch eingestellt, aber warum bringen wir auch keine extra Jacke mit? Weil wir die dann draußen die ganze Zeit durch die Gegend schleppen müssen, denn draußen ist es echt zu warm (kleine Anmerkung: in D beschlägt meine Brille, wenn ich vom warmen Drinnen ins kalte Draußen gehe, in NOLA beschlägt meine Brille, wenn ich vom kalten Drinnen ins warme Draußen gehe, kein Scherz!) für extra Kleidung.

Naja, wir sind dann zu Muttern... nein, nicht mein, nicht deine, unser aller, offensichtlich. Es gibt nämlich in NOLA ein berühmtes Restaurant (aber stellt euch darunter jetzt bitte kein deutsches Restaurant, mehr eine Imbissbude mit viel Platz vor) das "Mother's" heißt. Und es ist wirklich eher wie der Imbiss an der Ecke, außer, dass das Essen wirklich sehr gut ist und dass man an den Fotos erkennen kann, dass hier auch schon Präsidenten gegessen haben. Kein Scherz, wir saßen tatsächlich unter ein paar Fotos mit dem kleinen George Bush drauf, und an der Wand gegenüber hing ein signiertes Foto von Madeleine Albright!
Wie gesagt, das Essen war gut und natürlich habe ich Jambalaya gegessen, obwohl ich demnäxt echt mal ein Po-Boy essen muss (soweit ich weiß, ist das ein Sandwich...). Danach dachten wir, ginge es endlich los in die Preservation Hall, doch nein, wir sind erst noch ins Du Monde gefahren. Ein Kaffee sehr nahe am Jackson Square, wo es Beignets gab. Beignets sind im Grunde riesige Mutzen (und wer Mutzen nicht kennt, mit dem muss ich mich jawohl nicht unterhalten). Wir haben also Beignets gegessen und ich habe eine heiße Schoki getrunken (sehr viel süßer als in D) und Julia und Anika haben sich an dem restlichen Puderzucker verköstigt (die Beignets werden darunter beerdigt und man muss sie suchen).

Danach sind wir dann gemütlich zur Preservation Hall gegangen. Dort haben wir erst einmal angestanden... der Name Preservation Hall ist sehr irreführend. Ich habe auch im Netz nicht vorher geguckt, wie das wohl aussieht, ich habe einfach angenommen, dass das wohl etwas Größeres, Komfortableres sei. Weit gefehlt. Es war ein Raum, der etwa die Ausmaße meines Zimmers in Berlin hatte (wen ich dort nicht eingeladen habe, der hat dann halt Pech gehabt bei dieser Beschreibung). Vorn standen die Stühle für die Band, das Piano und dem gegenüber ein paar Bänke, etwa vier, wenn überhaupt. Der Raum... ich hätte wohl mit dem Haus anfangen sollen, aber irgendwie ist dieses Gemäuer wirklich schwer zu beschreiben. Man muss wissen, dass die Amis (und ich glaube, das gilt besonders für NO) gern Altes erhalten... es gibt einen Drang zum Authenzitismus, was die alten Street Cars erklärt, wo der Fahrer immer noch an einer Kurbel dreht um zu bremsen und zu beschleunigen. Und dies war ein Haus im French Quarter, der Raum, in dem wir saßen war klein, hatte keine Klimaanlage, nur vier Ventilatoren an der Decke und zwei Lampen über der Bühne, die keine Bühne war. Der Raum war gerappelt voll mit Leuten und die Band hat eine Stunde gespielt... es war eigenartig. Dave vom international office meinte, dass sei typisch New Orleans aber ich hatte mehr das Gefühl, dass typisch New Orleans als Touristenattraktion verpackt wurde... ich hätte lieber an irgendeiner Straßenecke gestanden und einer Amateurband zugehört - obwohl die Band gut war. Das Ambiente stimmte für mich nicht, weil amerikanische Authenzität manchmal einfach zu stark vermarktet wird und das halt auch hier, oder besonders im French Quarter, was natürlich DIE Touristenattraktion von NOLA ist. Ich meine, ich bin gern dort, die Architektur ist einzigartig, überall sieht man Sachen, die man irgendwie mit New Orleans verbindet, doch das Viertel ist nicht mit NO mitgewachsen. Einige Dinge sind künstlich erhalten worden und ich denke, so auch die Preservation Hall... Keine Ahnung, vielleicht übertreibe ich, aber wirkliches Jazzgefühl wollte bei mir nicht aufkommen. Ich denke, ich werde versuchen, spontan ein bisschen mehr NOLA zu erleben und lasse die Touristenattraktionen doch lieber beiseite...

Ich hatte insgesamt einen schönen Tag...
ich drück euch.

2 comments:

  1. Dann redest du halt nicht mehr mit mir ;-). In Bayern gibt's jedenfalls keine Mutzen :), bei uns gibt's entweder Krapfen (die sonst Berliner bzw. Pfannkuchen heißen) oder Ausgezogene (ja, die heißen bei uns so) bzw. Küchle... Aber du weißt ja, dass in Bayern die Uhren schon immer etwas anders getickt haben! Viele Grüße aus dem verregneten Bayern nach NOLA!

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  2. naja, in bayern ist ja sowieso alles anders... aber das ist auch okay, wir sind ja tolerant hier oben im norden. *g*
    es sind keine berliner... die wo berliner pfannkuchen nennen, denn die nennen wir berliner... ich weiß, dass mutzen in bremen auch schmalzküchlein genannt werden, aber anders kenn ich sie auch nicht.
    grüße nach bayern und den rest der welt

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