Ich bin jetzt über zwei Wochen hier und habe heute zum ersten Mal den Mississippi gesehen. Und ich war eher überrascht, dass ich ihn überhaupt sehen konnte, denn ich dachte, er wäre überall hinter Deichen und Mauern versteckt, aber tatsächlich gibt es, wenn man Canal Street ganz runter geht, eine Promenade. Mich hat es irgendwie an Travemünde erinnert, aber ich mache diese Vergleich nur, um euch ein ungefähres Bild zu liefern.
Es war schön, mal wieder am Wasser entlang zu gehen. Ich habe die Überreste von Sandsäcken entdeckt, die wohl entweder von Katrina oder letztes Jahr von Gustav herstammen... eigenartig. Es war bewölkt, aber zumindest am Wasser wehte es etwas, also war es dort auszuhalten.
Ich bin dann runter ins French Quartier, wo ich auch noch nicht gewesen bin (und ich war auch noch immer nicht in der Bourbon Street, obwohl ich die erste Zeit immer Ecke Canal-Bourbon in den Bus gestiegen bin). Es war ein bisschen beengt. Nachdem ich auf der breiten Promenade entlangflaniert bin, waren die Straßen vom French Quartier eng und stickig. Allerdings haben die da heute ein schwullesbisches Straßenfest gehabt (ich glaube zumindest, dass es ein Straßenfest war, ansonsten ist New Orleans ziemlich gay-friendly, denn es hingen überall Regenbogen-Flaggen) (Anm.: Souther Decadence, New Orleans, ist nicht nur ein Straßenfest, es wird tatsächlich die ganze Woche vor Labour Day gefeiert) und überall wurde Kunst ausgestellt (ein bisschen wie Montmatre) und Drag-Queens sind rumgelaufen. Es war nett.
Beeindruckend war auch Jackson-Square... vielleicht, weil ich dort schon immer mal hin wollte. Eigenartig, wenn man an einem Ort ankommt, den man schon immer mal besuchen wollte. Ich habe Fotos gemacht, aber mich noch nicht einmal für ein paar Minuten auf eine Bank gesetzt. Ich war in Ich-guck-mal-so-rum-Laune und bin dann halt weiter die Chartres Street runter. Leider in die falsche Richtung, denn ich wollte eigentlich wieder zu Canal Street, landete dann aber auf der anderen Seite des French Quartiers auf der Esplanade (wo früher einer der beiden Sklavenmärkte von New Orleans war). Also bin ich wieder umgedreht. Ich habe einige der Häuser gesehen, die ich aus meinem alten Reiseführer kenne...
Ich glaube, zwischendurch vergesse ich, dass ich in N.O. bin. Dann bin ich einfach in irgendeiner Stadt und muss noch ein Buch für die Uni fertig lesen, oder einen Essay schreiben. Dann gehe ich raus, und das erste, das mich darauf aufmerksam macht, dass ich nicht zu Hause bin, ist die Hitze... naja, vielleicht auch die uniformierten Wachfrauen an der Rezeption des Apartmenthauses. Und dann sehe ich die Street Cars (die Reparaturen auf der Canal sind jetzt übrigens abgeschlossen und man kann die Canal wieder mit der Straßenbahn befahren, was ich demnäxt auch machen will), und hören den unverstänlichen Slang, der hier unten gesprochen wird.
Es gibt so viele Denkmale, eins habe ich heute hinter einem Parkhaus entdeckt. Es sah aus wie ein kleines Washington-Monument und es war den Leuten gewidmet, die 1874 bei einem Aufstand ums Leben kamen. Dann das Holocaust Momorial, das ich fotografiert habe, und das - verglichen mit deutschen Monumenten - farbenfroh ist. Es ist wirklich eigenartig, hier zu sein. Und ich bin tatsächlich viel aufgeregter darüber, in Norlins zu sein als an der Tulane zu studieren. Wusstet ihr, dass Tulane einer der teuersten Unis hier ist? Crazy... zum Glück musste ich keine Tuition bezahlen, aber es erklärt eine Menge über die Leute, die hier studieren.
Ich bin heute ein wenig besinnlich, irgendwie. Die Eindrücke heute haben mich ein bisschen überwältigt. Es war ein schöner Spaziergang. Liebe Grüße vom Old Man River (der eine richtig scheußliche Statue zu seinen Ehren am Ufer stehen hat)...
9/09/2009
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