11/10/2009

Do you remember... Abu Ghraib?

Die jenigen unter euch, die sich unter euch für Politik interessieren (also vermutlich alle), erinnern sich vermutlich sofort, was Abu Ghraib war. Und ihr fragt euch sicher, warum jemand, der so überhaupt keine Ahnung von Politik hat (ich), überhaupt auf dieses Thema kommt... und das mitten auf einem harmlosen Dienstag, wo ihr gar nicht über so etwas nachdenken wolltet.

Nun, für die, die sich vielleicht nicht erinnern, was in Abu Ghraib war:
Ein Gefängnis im Mittleren Osten (nein, ich weiß nicht genau, wo), wo Amerikaner muslimische Gefangene misshandelt haben. Ja, das machen die öfter mal und an verschiedenen Orten, aber in Abu Ghraib haben sie Fotos gemacht, die dann irgendwie an die Presse gerieten und das war dann ein Skandal. Und ich musste heute eine Presentation für meinen Gender-Kurs über ein Thema damit verwandt (Gender) halten (zusammen mit zwei anderen). Deswegen habe ich nicht geschlafen und vielleicht bin ich deshalb gerade sooo sauer.

Ich bin nicht sauer auf die Leute, die gefoltert haben oder gefoltert wurden. Ich bin sauer auf Amerikaner. Ich bin üblicherweise nicht Anti-amerikanisch, aber ich bin auch nicht Pro-amerikanisch (nicht unbedingt, ich weiß, darüber lässt sich jetzt streiten). Aber wenn ihr mich ein bisschen kennt, dann wisst ihr, dass ich Amerika durchaus auch kritisiere, richtig? Richtig.

Was mich so sauer macht, ist, dass ich mir als Deutsche immer bewusst bin, dass wir die Bösen sind. Und ich denke, dass das durchaus gerechtfertigt ist. Ich fühle mich schuldig, mein Volk hat ein anderes Volk nahezu ausgelöscht und ich weiß das. Es ist nicht so, als ob man es uns vergessen lässt. Und ich denke, dass ist teilweise eine gute Sache, damit so etwas nicht wieder passiert. Andererseits macht es mich sauer, weil ich 1978 geboren wurde und nun wirklich nichts dafür konnte. Aber ich denke, geschichtlich gesehen, fühle ich mich verantwortlich.

Nun, Abu Ghraib war 2003 und wir haben einen interessanten Text über gender und sexuality im Kontext mit Abu Ghraib gelesen und dann haben wir ein Stück Doku gesehen. Und einige meiner Kommolitonninen meinten tatsächlich, dass sie Mitgefühl mit einigen derjenigen hatten, die die Gefangenen gefoltert haben. Was ich nicht fassen kann. Ja, ich weiß, man muss 9/11 als Ami erlebt haben, um wirklich zu begreifen, was es bedeutet, aber alles was danach geschah, war irgendwie entschuldigt, weil die Amerikaner so traumatisiert waren? Sicher nicht!

Ja, ich bin sauer, aber ich bin vor allem sauer, dass die Amis um mich offensichtlich nicht das Gefühl haben, dass die Folter so schlimm war. Wisst ihr, was ich meine? Wir reden darüber, dass die amerikanischen Soldaten nicht das Gefühl hatten, etwas falsch zu machen, aber im Grunde geht es darum, dass meine Kommolitoninnen offensichtlich auch nicht das Gefühl hatten, dass es so schlimm war. Und deswegen werden Teile des Textes, den wir gelesen haben, einfach als Übertreibung abgetan.

Letzte Woche haben wir über Indian Genocide gesprochen und dort ist schon das selbe passiert: das kann so nicht abgelaufen sein, sie übertreibt. Und damit schieben die Amis die Verantwortung für Indian Genocide vor sich her. Und das passiert in einem Kurs, in dem eigentlich genau das Gegenteil erreicht werden soll. Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich ausdrücke, aber das macht mich sooo wütend. Ich weiß nicht, vielleicht schreibe ich darüber meinen Essay näxte Woche... egal, welche Note ich am Ende für den Kurs bekomme, aber ich habe das Gefühl, diese Dinge sagen zu müssen, andererseits will ich auch niemanden so vor den Kopf stoßen. Ich meine, das sind alles nette Frauen und vielleicht ist es eine gute Sache, dass sie sich diesen Schuh nicht anziehen, ich meine, die waren alle noch in der Schule zu der Zeit... aber schließlich und endlich, ist es ein amerikanisches Problem. Irgendwann (vermutlich nach dem 2. Weltkrieg) hat die Welt gesagt, der Ami ist gut und damit rennen sie jetzt durch die Gegend, als könnten sie nie etwas Schlechtes tun. Das macht mich wütend - als Deutsche macht mich das wütend. Und ihr wisst, ich bin nicht gern deutsch oder offen deutsch. Aber ich bin mir lieber als Deutsche meiner Verantwortung für die Verbrechen meines Volkes bewusst, als eine ja-sagende, patriotische und völlig unwissende Amerikanerin. So!!!

Das wollte ich nur mal gesagt haben...

1 comment:

  1. abu ghraib liegt im irak (wo sonst?). das prob war ja, dass es so aussah, als würden die amis die iraker erstmal von saddams terror befreien und dann gleich nahtlos weiter machen. ich kann man mich jedenfalls gut in dich rein versetzen. ich weiß nicht, ob ich "sauer" auf die komi.. kommolli... mitstudenten wäre, aber auf jeden fall erstmal fassungslos, sprachlos, dass sich mal wieder sämtliche klischees bewahrheiten. oder deine gegend ist einfach nicht liberal genug ;)

    btw, vor kurzem kam bei mir das thema mit abu ghraib auch auf. entweder in international security als es über gender ging oder im terror-kurs. jedenfalls sprachen wir auch kurz darüber aus ner genderperspektive (von wegen auch frauen mitgemacht, sexuelle demütigung der gefangenen...)

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